Der unten stehende Text ist bei Anklick auch hörbar.
170419_002.MP3
MP3 Audio Datei 6.9 MB

Er ist ein Forscher, ein Abenteurer, ein Entdecker, ein Spieler und Poet. Hans Jürgen Wormeck sprüht vor Ideen. Sein Haus, eine ausgebaute Scheune, ist ein einziger Ort kreativen Schaffens. "Meine Kunst ist ein Geheimnis", sagt er, "wie immer wir es lüften wollen, es bleibt eines. Es hat die Qualität von Animation, von Einkehr und einem unendlichen Weg." (1)

Der Malerei widmete sich der 1941 in Westpreußen geborene Wormeck schon als Schüler. Eine Folge dieser Leidenschaft war das Kunststudium in Mainz und Berlin. Nach einer Assistenzstelle in Dortmund entschied er sich eine Heimat dort zu suchen, wo er sich mit seiner Sehnsucht nach Natur ausleben kann: das Teufelsmoor. Er beschreibt die Natur dieser Gegend auf seine poetische Weise: "Landschaft im Winter, in den Hammwiesen am Rande zum Teufelsmoor, Wildgänse, Schwäne stehen in Eispfützen und durchschnitten das Wasser, halten inne, prüfen das Umfeld und weiter und immer einen Schritt näher, wie in meinen Kinderträumen...".(2)

Am Anfang seiner künstlerischen Arbeit stand die Radierung im Vordergrund. Bis heute ist ihm diese besonders sensible Kunstform eine seiner hauptsächlichen Sprachen. Hans Jürgen Wormeck lässt sich von der Landschaft des Teufelsmoores mit seinen Geheimnissen inspirieren. Dabei variiert er das Thema zwischen subtiler Gegenständlichkeit bis hin zu Verfremdungen z.B. durch Bildung von Ambivalenzen, Ironisierung und Abstraktion. Den schwärmerischen, sentimentalen Blick der alten Worpsweder nimmt er in seine Arbeit nie auf.

Ende der Achtzigerjahre erhält die Malerei größeren Raum. Auf großformatigen Leinwänden experimentiert Wormeck mit Farben und Formen, klebt Seidenpapiere und Stoffe in die Bilder und übermalt sie wieder. Mit diesen Arbeiten verfolgt er keine inhaltlichen Anliegen. Er, der Forscher, der auch das Spiel mit dem Material liebt, nutzt die Farbe um ihrer selbst willen. Nach der Manier des Informel und Abstrakten Expressionismus trägt er sie gestisch, heftig und emotional auf, ritzt und schneidet Spuren in die Leinwand, übergießt sie mit transparenten Substanzen, die gelegentlich mit unterliegenden Schichten verschmelzen. Auf diese Weise entstand u.a. auch der "Blauberg".

Hans Jürgen Wormeck zahlreiche Installationen mit dem Titel "Der Pannonische Hochstand" sind eine Manifestation von seinen poetischen Phantasien, die sich in einem Langzeitprojekt ständig vertiefen und mit dem der Künstler die Metamorphosen seines Schaffens durchlebt. "In schwindelnder Höhe Neben- und Quergedanken haben, assoziieren und auf ungewohnte Perspektiven und Zusammenhänge stoßen, auch neue Nachbarschaften stiften von Materialien und Farben, mit einem Wort alles, was sich eignet poetische Beziehungen einzugehen, das ist PANNONISCH."(3)

Zu den Pannonische Elementen Wormeck gehören Eibenholz, die Farbe Indigo, Gold, Fallschirmseide und Seidenpapier. Aus diesen Materialien fertigt der Künstler wunderliche Dinge wie riesige Lollis aus Seidenpapier oder kleine Schmuckkästchen, die mit Beton gefüllt werden, in den wiederum ein Hochstand geritzt oder ein Lolli eingelegt wird. Dieses Drei-Schritte-Prinzip, in dem immer aus zwei Dingen ein neues Drittes entsteht, zieht sich durch sämtliche Arbeiten dieser Reihe und ist typisch Pannonisch.

 "Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie verrückt sind?" wurde Wormeck von einem Kritiker im Hinblick auf seine Pannonische Welt gefragt. "Natürlich bin ich verrückt", antwortet der Künstler. "Es wäre schrecklich für mich, wenn ich mich im Wahnsinn der Normalität aufhalten müsste".(4) Gerade aus dieser Position heraus, die gleichzeitig ein völlig zweckfreies Handeln erlaubt, können Dinge entstehen, die Fragen aufwerfen, erstaunen, verzaubern und Geheimnisse in sich bergen.

"Wer angesichts meiner Kunst etwas fühlt, ist mir auf der Spur", sagt Hans Jürgen Wormeck. "Kunst ist nicht an Zeit und Raum gebunden, an keine Moral und Konvention. Sie geht von einem Ort aus und sucht einen anderen Ort, der in uns selbst ist".(5)

Quelle:Donata Holz: "Unter den großen Himmeln"

----------------------------------

1 aus: Aufzeichnungen von H.J.Wormeck

2 aus einem Gespräch mit Wormeck am 25.5.2009

3 s.Katalog "Der Pannonische Hochstand III", Galerie im Park,Bremen 1997, S.16

4 Ebenda

5 aus: Aufzeichnungen von H.J.Wormeck